Neue Norovirus Epidemie im Anmarsch?

Forscher verfolgen besorgt die vermehrte Ausbreitung von „Winterunwohlsein“ durch Noroviren in Krankenhäusern.

Ausbruch von Noroviren nimmt zu

Wie das Nachrichtenmagazin von t-online.de bereits im Januar 2017 meldete, hatten im gleichen Winter die Infektionen mit dem hochansteckenden Virus sprunghaft zugenommen. Damals wurde an 225 Kliniken in Deutschland der Ausbruch dieser Viruserkrankung registriert, wovon 1.763 Patienten betroffen waren. 2016 wurden lediglich 59 Ausbrüche mit 424 Patienten verzeichnet. Obendrein traf es im Winter 2016/17 über 200 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs vor Australien, aber auch 14 Mitglieder einer Reisegruppe, die sich an der Nordseeküste erholen wollte.

2018 meldete der Spiegel, in einem Feriencamp in Thüringen seien mindestens 45 Kinder und Betreuer vom Norovirus betroffen. Kurz darauf kamen schlechte Nachrichten aus China, unmittelbar vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Unter den Sicherheitskräften war es zu einem Ausbruch des Norovirus gekommen, wobei sich 41 Personen angesteckt hatten. Als Vorsichtsmaßnahme wurden daraufhin rund 1.200 Bewohner in dem betroffenen Landstrich am Rande von Pyeongchang isoliert, um eine weitere Verbreitung zu verhindern.

Norovirus: Die Symptome

Anzeichen für eine Norovirus-Infektion sind:
– starker, oft sehr wässeriger Durchfall
– plötzliches, sich wiederholendes Erbrechen
– ausgeprägte Übelkeit
– Fieber oder zumindest eine erhöhte Körpertemperatur
– starke, krampfartige Schmerzen in Magen und Darm
– Schüttelfrost
– gelegentlich kann es zu blutigen Durchfällen kommen, was die sofortige Konsultation eines Arztes unumgänglich macht.

Generelles Problem beim Norovirus ist, dass bereits nur sehr wenige Viren einen Krankheitsausbruch verursachen können – in einem Gramm Stuhl können sich aber bis zu 10 Milliarden Viren befinden.

Insgesamt liegt das Risiko von der massiven Durchfallerkrankung betroffen zu werden bei lediglich 0,2 Prozent. Allerdings erhöht es sich bereits auf 0,7 Prozent, wenn du einen Raum nur betrittst, in dem sich ein Virusträger aufhält oder kurz zuvor aufgehalten hat.

Norovirus weltweit

Die durch den Norovirus verursachte Erkrankung, die auch als Winterkrankheit oder winterliches Unwohlsein bekannt sind, ist die weltweit häufigste Ursache für ansteckende Durchfallerkrankungen. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge, verursacht das Virus etwa 700 Millionen Ansteckungen und rund 220.000 Todesfälle pro Jahr, Tendenz steigend. Dadurch entsteht ein finanzieller Schaden von etwa 560 Milliarden Euro jährlich, als mehr als der Haushalt der Bundesrepublik Deutschland im Jahr.

Besonders schlimm sind Jahre, in denen das Virus in neuer Gestalt auftritt. Hat sich das Virus ein „Update“ gegönnt, was bislang pünktlich alle zwei Jahre der Fall ist, wird es auch vom Immunsystem der Patienten nicht erkannt, die zuvor bereits an einem Virus des gleichen Stammes erkrankt waren. Ist das Klima obendrein feucht, kann ein Abbruch verheerende Folgen haben. Anders bei trockener Luft, denn das mag das Norovirus nicht so gern. Grund dafür scheint zu sein, dass in feuchter Raumluft die Viruspartikel deutlich größer sind.

Luftverschmutzung begünstigt wahrscheinlich Krankheitsausbruch

Erstaunlich ist die Fähigkeit des Virus, sich an schwebende Partikel zu haften und mit diesen in den Körper eines Menschen einzudringen. Im Laborexperiment hat sich gezeigt, dass eine Ansteckung um ein Vielfaches höher ist, sind viele Schwebeteilchen in der Luft. Insbesondere dann, wenn sich ein Virusträger im gleichen Raum zuvor übergeben hat oder stark husten musste. Da nur sehr wenige Viruspartikel zum Ausbruch der Krankheit erforderlich sind, scheint es auszureichen, die mit Viren belastete Raumluft einzuatmen. Das würde erklären, warum so häufig Krankenhauspersonal betroffen ist, selbst dann, wenn hygienische Maßnahmen wie das Desinfizieren der Hände streng befolgt werden.

Fazit: Kein effektiver Schutz vor Noroviren

Die Forschungsergebnisse haben aufgezeigt, dass es derzeit noch keinen wirksamen Schutz vor dem Virus gibt. Händewaschen allein reicht offenbar bei Weitem nicht aus. Jetzt wird versucht, durch spezielle Luftfilter das Virus abzutöten oder zumindest die Raumluft so weit zu reinigen, dass du dich nicht gleich beim ersten Atemzug in einem Raum mit dem Norovirus anstecken kannst.